„Jeder Tag im Leben bietet neue Chancen!“, zeigt Therese Kleespies, dass sie sich allen Unbillen zum Trotz ihre positive Einstellung erhalten hat. Dieser Tage hatte sie allen Grund, vor Freude zu strahlen, denn die Baugesellschaft Hanau erfüllte ihr mit einem neuen Backofen mit Herd einen echten Herzenswunsch. Seit März 2019 ist sie Mieterin der Baugesellschaft und kann sich jetzt auf ihre erste Weihnachtszeit in einer warmen und hellen Wohnung freuen – etwas, das sie viele Jahre schmerzlich vermisst hat.

Alles begann an einem kühlen Wintertag in der Weihnachtszeit 2013. Therese Kleespies hatte ein schweres Jahr hinter sich. Unverschuldet hatte sie durch ein trauriges Ereignis ihren Arbeitsplatz verloren. „Es war wirklich kein schönes Jahr“, erinnert sie sich und sagt selbst, dass es ihr damals nicht gut ging. Neue Hoffnung schöpfte sie kurz vor Weihnachten, als sie ein neues Jobangebot bekam. Mit dem neuen Jahr schien es wieder bergauf zu gehen.

Doch die Freude währte nicht lange, schon nach wenigen Monaten musste Therese Kleespies einen Wendepunkt in ihrem Leben verdauen, der in kürzester Zeit alles verändern und auf den Kopf stellen sollte. Von heute auf morgen verspürte sie starke Schmerzen in ihrer Leistengegend und konnte kaum noch laufen. „Aber ich wollte nicht zum Arzt“, erinnert sie sich zurück. „Mein neuer Chef machte sich jedoch Sorgen und bat mich darum, dass ich mich doch besser durchchecken lassen sollte“. Ihr Arzt wiederum schickte sie sofort ins Krankenhaus. Therese Kleespies weiß es noch ganz genau: „Es war an einem Mittwoch im April, als ich ins Krankenhaus gegangen bin. Und es sollte eine ganze Weile dauern, bis ich wieder nach Hause kommen sollte, denn die Diagnose war Knochenkrebs“, erzählt sie.

Plötzlich bestimmte die Krankheit ihr gesamtes Leben. Sie musste ihren Job aufgeben und alle privaten Pläne hintenanstellen. Der Diagnose folgten fünf Jahre, in denen der Alltag rund um notwendige Untersuchungstermine und die Behandlungsplanung organisiert werden musste. Fünf Jahre Chemotherapie, 37 Bestrahlungen – am Anfang jeder Woche. Trotz dieser schweren Lebensphase fand Therese Kleespies noch die Kraft, einer befreundeten Familie mit zwei Kindern zu helfen. Da diese keine größere Wohnung finden konnte, überließ sie ihren Bekannten ihr eigenes Heim und zog selbst in eine kleinere Kellerwohnung.

Doch diese Wohnung sollte sich in den folgenden Jahren als zusätzlicher Alptraum erweisen. Schon nach ein paar Monaten stand zum ersten Mal das Wasser in der Wohnung. „Es kam durch die Wände und durch den Boden“, erklärt Therese Kleespies. In dieser Zeit fehlte es ihr jedoch an Kraft, um sich mit ihrem Vermieter auseinanderzusetzen oder um sich eine neue Wohnung zu suchen.

Bis Mitte 2018 ertrug sie die unhaltbaren Zustände. „Der Schimmel wurde immer mehr. Streitigkeiten mit dem Vermieter kamen hinzu, denn er wollte mich unbedingt aus der Wohnung haben, um sie anderweitig zu vermieten“, beschreibt Therese Kleespies die schlimme Entwicklung. Die Feuchtigkeit hat inzwischen all ihre Möbel zerstört. Trotzdem wurde die Miete erhöht. Strom und Heizung funktionierten nicht mehr. Aus ihren Wasserleitungen kam nur noch ein gelblicher Schleim heraus.

Trauriger Höhepunkt war ein Brief der Bauaufsicht, die ihr im Juni 2018 mitteilte, dass die Räumlichkeiten gar nicht als Wohnung hätten genutzt werden dürfen. „Ich wohnte also ‚illegal‘ und wusste überhaupt nichts davon“, schlägt Therese Kleespies auch heute noch fassungslos ihre Hände über dem Kopf zusammen. Jetzt war rasches Handeln gefragt.

Wie sich später herausstellte, hatte sie der Vermieter darüber hinaus auf den Stromkosten anderer Mieter sitzen lassen, da – wie eine Überprüfung erbrachte – alles über den Zähler ihrer Wohnung gelaufen sei. Auch ihre Kaution bekam sie nicht zurück, weil sich der Vermieter mittlerweile aus dem Staub gemacht hatte und nicht mehr ausfindig zu machen war. In dieser Situation wandte sich Therese Kleespies an die Baugesellschaft Hanau und schilderte ihre Situation. Einige Tage später füllte sie dann eine Wohnungsbewerbung aus.

Im März 2019 konnte die Baugesellschaft ihr eine passende Wohnung anbieten. Aus ihrer alten Wohnung konnte sie nur noch einen Tisch, eine Kommode, ihren Kühlschrank und ihre Waschmaschine retten. „Der Umzug ging wirklich schnell, denn viel war es ja nicht, was ich mitzunehmen hatte“, erzählt sie leicht nachdenklich, leicht schmunzelnd.

Seit sie Mieterin der Baugesellschaft ist, wird sie von deren Sozialberatung unterstützt und begleitet. So konnte ihr unter anderem bei den Beantragungen eines Pflegegrades und eines gesetzlichen Betreuers geholfen werden. Darüber hinaus gab es viele Gespräche, bei denen man raushören konnte, was sich Therese Kleespies von ihrer Zukunft wünscht und was sie so alles gerne machen würde. Dabei kam heraus, dass sie gerne backt, aber seit einem Jahr keinen Ofen mehr hat. „Meine Erwerbsunfähigkeitsrente reicht im Moment einfach nicht aus, um große Sprünge zu machen, weil ich ja noch einiges abzubezahlen hatte“, erklärt sie. Umso größer war ihre Überraschung und Freude, als plötzlich einige Mitarbeiter der Baugesellschaft vor der Tür standen, um ihr einen Backofen aus dem Fundus der Baugesellschaft zu bringen und direkt anzuschließen.

„Genau aus diesem Grund haben wir bei der Baugesellschaft Hanau das Sozialmanagement eingerichtet. So können wir Menschen in ganz schwierigen Lebenssituationen schnell und manchmal auch ganz unbürokratisch helfen“, freut sich Geschäftsführer Jens Gottwald, dass es hier gelungen ist, die Welt im Kleinen ein bisschen besser zu machen. „Ich bedanke mich ausdrücklich bei meinen Kolleginnen und Kollegen, die dies jeden Tag vorleben und unserer Mieterschaft im Notfall mit ihrem Einsatz helfend zur Seite stehen.“

Therese Kleespies freut sich jetzt auf das erste Weihnachten in ihrer neuen Wohnung. Die Adventszeit verbringt sie in geheizten Räumen, mit Strom und sauberem Wasser sowie mit selbstgebackenen Plätzchen. „Dies ist für die meisten wohl selbstverständlich, aber ich hatte das seit fünf Jahren nicht mehr.“